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Eignet sich der Bewerber?

Was macht eine gute Bewerbung aus? Wie überzeuge ich mein Gegenüber? Worauf achten Hochschulen bei eingehenden Bewerbungen? Drei Experten geben Antworten.

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Dr. Klaus Schmerler, Uni Halle-Wittenberg

Dr. Klaus Schmerler, Studienberater für die Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg:

 

Für unseren englischsprachigen Bachelorstudiengang „Business Economics“ müssen Interessierte zusätzlich zur standardmäßigen Studienbewerbung einen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben einreichen. Bei einer Bewerbung prüfe ich daher mehrere Aspekte: Zunächst wirkt wie üblich die Abiturnote sehr stark. Für uns sind zusätzlich die Englischkenntnisse wichtig, die durch Sprachzertifikate nachgewiesen werden. Beides sind gute Indikatoren dafür, wie erfolgreich man seinen Bachelor in „Business Economics“ bestreiten können wird.

 

Doch auch wer in der Schule kein Überflieger war, aber für die Inhalte unseres Studiengangs brennt, soll Gehör finden – hier kommen Lebenslauf und Motivationsschreiben ins Spiel. Passende Praktika oder gar berufliche Stationen im Lebenslauf zeigen das eigene Interesse auf. Beim Motivationsschreiben möchte ich die eigenen Gedanken der Bewerber herauslesen. Wer also nur Phrasen aus dem Internet kopiert wie „Ich möchte was erreichen“ oder „Ich möchte ein Leader werden“, überzeugt mich nicht. Bewerber sollten auf den ein bis eineinhalb Seiten knapp und präzise erklären, warum der Studiengang der richtige für sie ist, welche Aspekte sie besonders interessieren. Denn Studierende mit der richtigen Motivation bereichern unseren Studiengang ungemein.

Dr. Katharina Fleischmann, Uni Weimar

Dr. Katharina Fleischmann, Fachstudienberaterin Architektur der Bauhaus-Universität Weimar:

 

Für Studienbewerbungen gilt grundsätzlich: Sie müssen fristgerecht eingehen und vollständig sein. Daher rate ich, sich nicht erst kurz vor Fristende zu bewerben. Unser Online-Bewerbungsportal meldet zum Beispiel, wenn Unterlagen fehlen – hat man sich Luft gelassen, können Dokumente noch nachgereicht werden. Die Informationen zu Formalien und Fristen finden Studieninteressierte auf unserer Website. Bleiben trotzdem Fragen offen, kann man sich an die dort genannten Berater wenden.

 

Für unseren Bachelorstudiengang Architektur zum Beispiel haben wir ein zweistufiges Bewerbungsverfahren. Zunächst reichen Bewerber ihre Lösung einer Hausaufgabe, das ausgefüllte Online-Bewerbungsformular, einen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben, die beglaubigte Kopie ihrer Hochschulzugangsberechtigung und gegebenenfalls Nachweise über Vorpraktika und ähnliches ein. Dabei zählt auch, wie ästhetisch die Bewerbung in Layout und Papierwahl wirkt – schließlich handelt es sich um einen künstlerischen Studiengang.

 

Gerade im Motivationsschreiben möchten wir mehr über die Person, ihren Bezug zur Architektur und ihre Ideen und Wünsche für das Studium an unserer Universität erfahren. Nehmen Bewerber zum Beispiel Bezug auf ihren Besuch unseres Hochschulinformationstages, zeigt uns das, dass sie sich intensiv mit ihrem Studienwunsch und der Bauhaus-Uni beschäftigt haben. Im zweiten Schritt laden wir eine Auswahl an Kandidaten zu einem Vor-Ort-Termin ein, an dem sie eine zeichnerische und eine konstruktiv-kreative Aufgabe lösen. Zudem werden sie in einem Kommissionsgespräch befragt. Dieses aufwendige Verfahren hat sich für die Studierenden und uns sehr bewährt: Unsere Abbrecherquote liegt bei nur einem Prozent.

Prof. Dr. Karen Ellwanger, Universität Oldenburg

201609_print_extra_Bewerbung_Ellwanger_bProfessorin Dr. Karen Ellwanger, Direktorin des Instituts für Materielle Kultur an der Universität Oldenburg:

 

Bei einem Motivationsschreiben für unseren kulturwissenschaftlichen Bachelorstudiengang „Materielle Kultur: Textil“ achten wir zum einen auf den sprachlichen Ausdruck und die Stringenz der Argumentation, zum anderen darauf, ob sich ein Bewerber gut über den Studiengang informiert hat. Als erstes geht unser Blick auf die Form: Kennen die künftigen Studierenden den Unterschied zwischen einem Anschreiben und einem Motivationsschreiben? Haben sie sich die Mühe gemacht, ihren Text Korrektur zu lesen oder lesen zu lassen? Enthält das Motivationsschreiben viele Worthülsen, die genauso bei einer anderen Bewerbung zum Einsatz kommen? Gibt es viel Selbstlob? Oder gar Hinweise darauf, dass die Eltern oder andere Helfer das Schreiben verfasst haben? So etwas merken wir recht schnell in der zweiten Stufe, dem persönlichen Gespräch.

 

Zentral bei einem Motivationsschreiben sind natürlich die Inhalte: Was verstehen die Studierenden nach ersten Recherchen unter „materieller Kultur“ und „textil“? Ob sich jemand wirklich Gedanken gemacht hat, zeigt sich daran, ob einfach Stichworte aus dem Netz wiederholt oder mit Leben gefüllt werden. Ganz wichtig ist uns dabei, dass sich Lebenslauf und Motivationsschreiben aufeinander beziehen und zueinander passen.