Personen

Headset auf, Webcam an

Neue Technologien, neue Möglichkeiten im Bewerbungsprozess: Immer mehr Unternehmen entdecken die so genannte Videotelefonie für sich. Warum da so ist, was das für dich bedeutet und was es dabei zu beachten gilt, hat abi» bei einer IHK, einer Agentur für Arbeit und bei einen Unternehmen nachgefragt.

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Videotelefonie spart Zeit und Kosten

Carolin Schweizer, IHK Nürnberg für Mittelfranken
„Bei Konzernen gibt es das schon eine ganze Weile, nun entdecken auch mittelständische und kleinere Firmen die Videotelefonie im Bewerbungsprozess für sich. Skype und andere Anbieter bieten den Unternehmen die Möglichkeit, ein erstes Gespür für die Person zu bekommen und herauszufinden, ob er oder sie grundsätzlich zum Team passen könnte. Da gibt man auch mal jemanden eine Chance, der vielleicht keinen geradlinigen Lebenslauf hat, weil es eben nicht so aufwändig ist, ein Videotelefonat zu führen – und zwar für beide Seiten. Man muss nirgendwo hinfahren, das spart Zeit und Kosten.
Wir haben kürzlich ein „Skype-Speed-Dating“ organisiert, und die Teilnehmer waren überrascht, wie persönlich so ein Gespräch via Bildschirm doch sein kann. Alle haben bestätigt, dass es ein guter Weg ist, um schon mal vorzufühlen und sich ein erstes Bild von den Bewerbern zu machen. Konkret war dies ein Türöffner für eine der Bewerberinnen. Rein von den Unterlagen her wäre diese wohl im Bewerbungsprozess nicht weiter gekommen, konnte aber durch ihr selbstsicheres, sympathisches Auftreten im Videotelefonat sehr punkten.“

Technik vorab prüfen

Gerhard Wachmeier, Arbeitsagentur Ansbach, Arbeitgeberservice
„Für Arbeitgeber und Bewerber gilt, vorher prüfen, ob die Technik funktioniert. Das kann schon mal schief gehen. Als Initiator eines Videotelefonie-Gesprächs muss ich über die notwendige Software verfügen, zum Beispiel Skype for Business. Diese ist, wie andere Anbieter auch, lizenzpflichtig. Darüber kann der Gesprächsteilnehmer eingeladen werden, Bewerber zahlen also nichts, müssen aber sichergehen, die entsprechende Software oder App bei sich installiert zu haben. Bewerber brauchen neben Computer, Webcam und Headset natürlich auch eine stabile Internetverbindung – oder man nutzt sein Smartphone. Das ist für junge Leute ja kein Problem. Trotzdem sollte man es lieber kurz vorher mal testen.
Aber Achtung: Nur weil ich das Medium kenne, heißt das nicht, dass ich das Gespräch zu locker angehen sollte. Je nach Branche erwarten Arbeitgeber schon, dass man angemessen gekleidet ist, dass im Hintergrund nicht irgendetwas Irritierendes herumliegt. Es muss einem bewusst sein, dass alles gesehen wird. Aber gerade das ist es ja, was so ein Videotelefonat ausmacht. Anders als bei einem normalen Telefonat, bekommen beide Seiten die Mimik, die Körpersprache, ja sogar das Umfeld des anderen mit. Das kann hemmen oder helfen, je nach Typ.“

Vorteile für Personaler

Gerhard Gundel, Marketingleiter und Ausbilder bei empasa, einem Anbieter von Insekten- und Sonnenschutzsystemen aus der Nähe von Ansbach

„Die Entscheidung für einen Bewerber oder eine Bewerberin ist sowas wie ein Faktengefühlsmix. Fakten wie den Werdegang sehe ich in den Bewerbungsunterlagen. Je mehr ich Bewerber aber beobachten kann, umso mehr erfahre ich über den Menschen. Für einen ersten Eindruck kann man per Videotechnik schon einiges rauslesen. Begrüßt die Person mich höflich, schaut sie mir in die Augen, wie ist die Haltung beim Sitzen, wie ist die Mimik, ist sie mir sympathisch, wie spricht sie, wie reagiert sie – all das geht zum großen Teil auch per Online-Call. Worauf man dabei achtet, hat sich meiner Meinung nach in den letzten 50 Jahren kaum geändert, zum Beispiel bei der Kleidung: Bei uns im Büro trägt keiner Schlips und Krawatte, dann fände ich das zum Bewerbungsgespräch auch zu „overdressed“. Ich würde dazu raten, sich normal präsentabel zu kleiden. Das hilft einem auch, sich in die Gesprächssituation hineinzufinden und das Ganze nicht zu locker zu sehen. Denn es geht ja um etwas. Angst haben braucht man davor aber nicht. Uns ist klar, dass man nervös ist, schließlich macht man das nicht jeden Tag. Man soll natürlich sein, möglichst authentisch. Das ist das Beste.
Die Videotelefonie hat noch andere Vorteile: Ich kann meinen Bildschirm teilen oder abgeben. So kann man sich gemeinsam Arbeitsproben anschauen oder eine Webseite oder Präsentation. Vorbereitend ist ein Skype-Interview also eine gute Sache, ein persönliches Vorstellungsgespräch wird es aber nicht ersetzen können – trotz vieler neuer, spannender Technologien wie Augmented Reality und virtuellen Rundgängen. Denn ob man eine gemeinsame Wellenlänge findet, ob man sich vorstellen kann, acht Stunden am Tag im Team zusammenzuarbeiten, so etwas findet man eben doch nur bei einem echten Händedruck und mit allen Sinnen heraus.“

Alle wichtigen Tipps auf einen Blick

  • Inhaltliche Vorbereitung: Auf ein Video-Interview solltest du dich genauso vorbereiten wie auf ein persönliches Vorstellungsgespräch. Lege dir deine eigenen Bewerbungsunterlagen zurecht, notiere dir Fragen zur Arbeitsstelle, zum Unternehmen und zu Organisatorischem. Wirf aber am besten vorher noch mal einen Blick auf die Webseite des Unternehmens, schließlich kann es eine Weile her sein, dass du deine Bewerbungsunterlagen losgeschickt hast.
  • Passende Kleidung: Ziehe etwas an, das zur Branche und zu dir als Person passt. Während sich angehende Bankkaufleute in Anzug oder Kostüm präsentieren sollten, können sich Leute, die zum Beispiel einen kreativen Beruf anstreben, durchaus leger vor den Rechner setzen. Ordentlich und sauber ist aber ein Muss.
  • Passende Umgebung: Es empfiehlt sich nicht zu nah an der Kamera zu sitzen, das verzerrt dein Gesicht. Aber je weiter du weggehst, umso mehr sieht dein Gegenüber vom Hintergrund. Überlege dir also gut, in welchem Raum du das Videotelefonat führen möchtest: Die Umgebung sollte nicht zu sehr ablenken, also lieber aufgeräumt und ruhig sein, darf aber auch etwas von deiner Persönlichkeit verraten.
  • Technische Vorbereitung: Checke, ob die notwendige Videotelefonie-Software richtig installiert ist und reibungslos funktioniert. Überprüfe, ob die Internetverbindung steht, dein Headset und die Webcam funktionieren, und denke daran, dass es im Zimmer hell genug ist. In der Software gibt es meist einen Button, um die Qualität der Verbindung zu testen – oder du rufst eine Stunde vorher einen Freund an, der mit dir zusammen die Technik checkt und dich auch moralisch noch mal aufbauen kann.
  • Professionell ins Gespräch: Gehe das Gespräch so an, wie du es bei einem offiziellen Telefonat auch tun würdest. Setze dich lieber etwas zu früh bereit. In der Regel wirst du angerufen. Schau in die Kamera, nenne deinen Namen und begrüße deine(n) Gesprächspartner, zum Beispiel mit einem Nicken. Wenn eine kurze Pause entsteht, kannst du dich zum Beispiel dafür bedanken, dass du zum Telefonat eingeladen wurdest. Dann sollte das Gespräch seinen Lauf nehmen, den aktiven Part übernimmt normalerweise dein potenzieller, zukünftiger Arbeitgeber.
  • Sei so, wie du bist: Vergiss Tipps zu Körpersprache, Mimik oder Augenkontakt. Vertraue lieber auf deine einmalige Persönlichkeit. Personaler sind Profis und durchschauen auch über den Äther, wenn du ihnen etwas vorspielst. Sei authentisch, dann kommt rüber, dass du diesen Job wirklich willst.
  • Viel Glück!