Checkliste

Ab nach Ungarn!

Anna Czech (22) studiert im ersten Semester Medizin an der Universität Pécs in Ungarn. Für abi>> berichtet sie von ihren Wartesemestern und ihrem Weg aus der Nähe von Ansbach nach Ungarn.

Studienplatz

>> ändern

„Ich wusste schon mit elf Jahren, dass ich Medizin studieren will. Dieser Wunsch hat bis zu meinem Abitur vor drei Jahren angehalten. Mein Notendurchschnitt lag jedoch nur bei 2,1 – zu schlecht, um in Deutschland sofort für ein Medizinstudium zugelassen zu werden. Also beschloss ich, erst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Roten Kreuz zu absolvieren, um mir dabei Gedanken zu machen, was ich weiter tun sollte. Ich hatte nämlich zwei Möglichkeiten: Meinen Traum vom Medizinstudium aufgeben oder abwarten, ob ich irgendwann über Wartesemester doch noch für ein Studium zugelassen werde. Doch erst ab ungefähr zwölf Wartesemestern konnte ich auf einen Studienplatz hoffen, rechnete ich mir aus. Sechs Jahre bis zu meinem Traumstudium! In dieser Wartezeit darf man nicht an einer deutschen Hochschule eingeschrieben sein, denn sobald man dort immatrikuliert ist, zählt das nicht mehr als Wartesemester.

Vorkenntnisse sammeln

Also startete ich mit meinem Freiwilligen Sozialen Jahr. Anschließend beschloss ich, beim Roten Kreuz noch eine Ausbildung zur Rettungsassistentin anzuhängen, schließlich würden mir Vorkenntnisse fürs Medizinstudium nicht schaden. Und die Wartesemester wären zumindest keine komplett vergeudete Zeit. Während meines Klinikpraktikums, das ich für die Ausbildung zur Rettungsassistentin machen musste, lernte ich einen Medizinstudenten kennen. Er zeigte mir eine neue Möglichkeit, wie ich viel schneller zu meinem Traumstudium kommen kann. Dieser Weg hieß: Ungarn! Er selbst hatte an der Universität Pécs studiert und war davon begeistert. Ich beschloss, mich auf der Homepage der Universität zu informieren.

In Pécs hat man auch mit einem Abischnitt, der in Deutschland beispielsweise nicht für die Abiturbestenquote ausreichen würde, Chancen auf einen Medizinstudienplatz, da die Auswahl der Bewerber allein über eine Zulassungskommission an der Hochschule erfolgt. Dazu bewirbt man sich direkt an der Uni, während in Deutschland die Bewerbung zentral über das Internetportal „hochschulstart.de“ läuft (Weitere Informationen zu den Bewerbungsverfahren im Infokasten). So habe ich in Ungarn nach drei Jahren Wartezeit einen Studienplatz erhalten. In Deutschland hätte ich mindestens noch weitere drei Jahre warten müssen.

Hohe Studiengebühren

Der Studiengang läuft in Ungarn ähnlich ab wie in Deutschland. Die Kurse sind auf Deutsch und alle Prüfungen werden auch in Deutschland anerkannt. Das Studium hat jedoch einen klaren Nachteil: die Höhe der Studiengebühren. Pro Semester liegen diese bei 6.600 Euro. Ich habe Glück, dass meine Eltern mir die Gebühren zahlen. Da es in Pécs keine Studentenwohnheime gibt, habe ich mir eine Wohngemeinschaft mit einer anderen Studentin gesucht.

Ich bin dankbar dafür, wie sich alles entwickelt hat. Als Plan B hatte ich mir überlegt, Ernährungswissenschaften zu studieren. Doch jetzt bin ich froh, dass ich durchgehalten habe und endlich Medizin studieren kann. Ich finde es super hier!

 

Studienplatzvergabe in Medizin in Deutschland und Ungarn

In Deutschland werden 20 Prozent der Medizinstudienplätze nach der Durchschnittsnote im Abitur vergeben (Abiturbestenquote), 20 Prozent nach Wartezeit (Wartezeitquote) und 60 Prozent nach Auswahlverfahren der Hochschulen (z.B. gewichtete Einzelnoten des Zeugnisses, Berufsausbildung oder -tägigkeit mit medizinischen Bezug). An der Universität Pécs dagegen beurteilt und vergibt alleine eine Zulassungskommission die Studienplätze nach Prüfung der Bewerbungsunterlagen. Dabei wird beispielsweise positiv bewertet, ob man einen Leistungskurs in einem naturwissenschaftlichen Fach belegt oder Berufserfahrung im Gesundheitswesen hat.

hochschulstart.de

www.hochschulstart.de

Universität Pécs: Bewerbung und Zulassung

http://bewerbung.medizin.pte.hu/index.php?p=m&mid=2&nyelv=ger