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Die Mühe lohnt sich

Worauf achten Unternehmen und Hochschulen bei eingehenden Bewerbungen? Zwei Personal- und eine Studiengangverantwortliche geben Berufs- und Studieneinsteigern Tipps.

Duales Studium

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Tanja Krause, Karl Wörwag Lack- und Farbenfabrik

Tanja Krause, Ausbildungsleiterin bei der Karl Wörwag Lack- und Farbenfabrik in Stuttgart:

Janek & Krause


Bewerber sollten auf eine korrekte Rechtschreibung und Zeichensetzung in ihrem Anschreiben achten. Die Bewerbungsunterlagen sollen einen sauberen und ordentlichen Eindruck machen. Beispielsweise mit dem Smartphone Zeugnisse zu fotografieren, kommt nicht gut an. Das Anschreiben sollte authentisch wirken, das heißt, je wenigerVorlagen aus dem Internet verwendet werden, umso glaubwürdiger kommt ein Interessent rüber. Er sollte uns zeigen, warum gerade er diesen Beruf in unserem Unternehmen lernen möchte.


Unsere Auswahlkriterien: Das grundlegende Basiswissen muss zum ausgewählten Beruf passen. Einen Chemieberuf lernen zu wollen, wenn man nur ein „Ausreichend“ in Chemie und Mathematik hat, ist zum Beispiel wenig überzeugend. Im Gespräch wollen wir dann herausfinden, ob ein Bewerber zu uns passt, die nötige Motivation mitbringt und Durchhaltevermögen besitzt – auch wenn es für ihn mal nicht so gut läuft.

Annegret Bischof, Voith Turbo

201609_print_extra_Bewerbung_Bischof_bAnnegret Bischof, Personalleiterin beim Antriebs- und Bremssystemhersteller Voith Turbo am Standort Salzgitter:

 


Begeisterung und aufrichtiges Interesse an ihrer zukünftigen Aufgabe sollten junge Leute zeigen, die bei uns eine Bewerbung einreichen. Darauf kommt es in erster Linie an. Bei Voith Turbo in Salzgitter bilden wir Industriekaufleute, Industriemechaniker und Zerspanungsmechaniker aus. Unsere Auszubildenden werden sehr früh in die betrieblichen Abläufe eingebunden und lernen ihren Job sehr nah an der Praxis. Deshalb legen wir Wert auf junge Leute, die bereits im Bewerbungsgespräch zeigen können, dass sie etwas über die Inhalte ihres zukünftigen Berufs wissen. Wichtig sind uns auch gute Leistungen in den relevanten Schulfächern, zum Beispiel in Mathematik.


Um während der Ausbildung besonders viel mitzunehmen und von anderen zu lernen, braucht es Engagement, Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit. Denn: Nur wenn die Ausbildungszeit Herausforderungen bietet und gleichzeitig Spaß macht, schafft man sich ein gutes Fundament für den weiteren Berufsweg.

Prof. Dr. Karen Ellwanger, Universität Oldenburg

201609_print_extra_Bewerbung_Ellwanger_bProfessorin Dr. Karen Ellwanger, Direktorin des Instituts für Materielle Kultur an der Universität Oldenburg:

 


Bei einem Motivationsschreiben für unseren kulturwissenschaftlichen Bachelorstudiengang „Materielle Kultur: Textil“ achten wir zum einen auf den sprachlichen Ausdruck und die Stringenz der Argumentation, zum anderen darauf, ob sich ein Bewerber gut über den Studiengang informiert hat. Als erstes geht unser Blick auf die Form: Kennen die künftigen Studierenden den Unterschied zwischen einem Anschreiben und einem Motivationsschreiben? Haben sie sich die Mühe gemacht, ihren Text Korrektur zu lesen oder lesen zu lassen? Enthält das Motivationsschreiben viele Worthülsen, die genauso bei einer anderen Bewerbung zum Einsatz kommen? Gibt es viel Selbstlob? Oder gar Hinweise darauf, dass die Eltern oder andere Helfer das Schreiben verfasst haben? So etwas merken wir recht schnell in der zweiten Stufe, dem persönlichen Gespräch.


Zentral bei einem Motivationsschreiben sind natürlich die Inhalte: Was verstehen die Studierenden nach ersten Recherchen unter „materieller Kultur“ und „textil“? Ob sich jemand wirklich Gedanken gemacht hat, zeigt sich daran, ob einfach Stichworte aus dem Netz wiederholt oder mit Leben gefüllt werden. Ganz wichtig ist uns dabei, dass sich Lebenslauf und Motivationsschreiben aufeinander beziehen und zueinander passen.